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Image by Markus Winkler

USUMA-Newsletter 5/2022

Background:
Amüsantes beim
Interviewen am Telefon

Haben Sie schon einmal etwas Lustiges erlebt? Natürlich. Aber auch bei einem Interview für USUMA? Hier erzählen wir Ihnen von "großen“ und „kleinen“ Anekdoten aus dem Bereich der empirischen Umfrageforschung am Telefon.

Sozial- und Meinungsforschung meets Alltag telefonischer Kommunikation. Und deren Hürden und Widrigkeiten dabei. Manchmal sind sie zum Schmunzeln. Wer von Ihnen die RKI-Studie „GEDA“ telefoniert hat, kennt den Fragenkomplex zum seelischen Wohlbefinden: „Wie oft fühlten Sie sich im Verlauf der letzten 2 Wochen durch die folgenden Beschwerden beeinträchtigt?“ Eine der Befindlichkeitsstörungen lautet „Nicht in der Lage sein, Sorgen zu stoppen oder zu kontrollieren.“ Vielleicht nicht nur einmal reagierte eine Befragte so: „Was kann ich nicht? Socken zu stopfen?“ Zugegeben, beides klingt recht ähnlich und das Missverständnis lässt sich leicht auflösen. Wobei natürlich auch interessant wäre, einmal zu erfahren, wie viele Menschen in Deutschland nicht Socken stopfen können :-). Der Autor dieser Zeilen kann es nicht und befürchtet: der Bevölkerungsanteil wächst. Der Anteil derer, die ihre Sorgen nicht stoppen können, hoffentlich nicht.

Manchmal freilich ist das Missverstehen ein Größeres. „Ich habe heute schon Geld gegeben für diese Tiere, im Supermarkt“, versicherte eine ältere Dame auf die Frage, ob sie an einer Umfrage zum Thema Energiegewinnung und Abfallentsorgung teilnehmen wolle. Ein anderer Angerufener erkannte bei dieser Studie leider nicht die Gunst der Stunde, endlich einmal das zu tun, was er angeblich sonst nie tun kann und lehnte sehr hartnäckig ab: „Ich bin ein ganz kleiner Mann, meine Meinung interessiert niemanden. Nicht einmal meine Frau, die hat mich fortgejagt.“

 

Viele von Ihnen erleben natürlich öfters, dass sie in der Kontaktanbahnung auf Ablehnung stoßen. Auch auf wüste. Das muss man runterschlucken können, ist ja nicht persönlich gemeint. Mancher kann solcher Zurückweisung sogar etwas Heiteres abgewinnen. Und damit sind wir bei zwei Einsendungen von Interviewern auf unseren Aufruf im letzten Newsletter hin, doch bitte von „Lustigem“ beim Telefonieren zu erzählen. Lienhard Schulz schrieb: „Hier ein kleines, ‚lustiges‘ Erlebnis, passiert bei der Geda-Befragung im August 2022. ‚Du sollst verrecken, Du Deibel, Du Missgeburt‘ brüllte eine ältere Dame in schönstem Bayerisch ins Telefon und legte auf, bevor ich überhaupt etwas sagen konnte. Sie dachte vermutlich, da riefe erneut ihr Ex-Mann oder Ex-Freund an. Das Schmunzeln über diesen Wutausbruch konnte ich stimmlich in die nächsten zwei, drei Kontaktanbahnungen transportieren – mit Erfolg!“

 

Eine etwas längere Geschichte schrieb Daniel Kunert, herzlichen Dank dafür! „Mann geht ans Telefon und meinte, dass er eigentlich nicht an Befragungen teilnimmt. Heute sei aber mein Glückstag, da er so nicht den Abwasch machen müsse, sondern seine Frau das erledige. Ich hörte, wie er zu ihr sagte: ‚Hey Schatz, das RKI braucht meine Meinung, ich muss da jetzt unbedingt mitmachen. Du kannst ja schon mal abwaschen, ich helfe später. Ist wirklich wichtig.“ Die Frau reagierte grummelig. „Ich bot an, noch einmal später anzurufen, damit er ihr helfen könne. Ich wollte ja keinen Ärger provozieren. Er aber bestand darauf, gleich zu starten. Schwedenschlüssel. Wie das Leben so spielt: Die Frau war die Zielperson. Da er mich auf Lautsprecher hatte, hörte sie dies, kam sofort und freute sich mitzumachen. Während des Interviews äußerte sie, ich solle langsamer sein, damit er noch mehr aufräumen kann.“ Und das konnte er. Denn es gab da noch zwei Kinder im passenden Alter und damit zwei Kinderfragebögen durchzugehen! „Sie lachte. Ich konnte hören: ‚Schatz, das dauert noch länger. Ich darf noch helfen bei Fragen zu unseren Kindern. Ist sehr wichtig! Du kannst ja schon einmal den Rest im Haus erledigen.‘ Mich bat sie dann, mir Zeit zu lassen, damit im Haus alles sauber ist, wenn wir fertig sind.“ Wozu Bevölkerungsbefragungen indirekt alles gut sein können! Daniel Kunert schließt seinen Bericht: „Ich fand die Art der beiden echt lustig. Und es fiel mir schwer, ruhig zu bleiben, da es immer wieder nette Sticheleien zwischen ihnen gab. Sie kontrollierte ihn während des Interviews und sagte ihm, was er noch machen soll.“              

 

Zum Schluss noch ein Beitrag von Interviewerin Margitta Fuchs, die wir im letzten Newsletter kurz porträtiert haben. Sie hat sich lustige Ansagen von gehörten Anrufbeantwortern notiert. Unter anderem: „Legen Sie nicht gleich auf, hier ist die automatische Plaudertasche der Familie.“ Außerdem hat sie uns Sprüche gemailt, die sie „irgendwann in einer Computerpannenpause“ in ihren Kalender geschrieben hat. Uns haben am besten gefallen: „Wer Ordnung hält, ist bloß zu faul zum Suchen“ (Gräfin Fitos), „Wer mit der Herde geht, kann nur Ärschen folgen“ (Klaus Klages). Schließlich folgende Erkenntnis: „Ab Fünfzig macht die Arbeit weniger Spaß, aber der Spaß mehr Arbeit.“  Egal, wie alt Sie sind, liebe Interviewerinnen und Interviewer: Auf dass Sie bei Ihrer Arbeit für USUMA auch in Zukunft viel Spaß haben! Volker Müller-Veith (VMV)

Wir von USUMA

Joscha Neumann (52), Interviewer im Home-Office. Telefoniert man mit dem gelernten Versicherungskaufmann, fallen schnell seine angenehme Stimme, seine gute Ausdrucksweise und seine ruhige Art auf. Keine Frage: Joscha Neumann aus einem 5000 Einwohner-Städtchen in Hessen strahlt aus, was er ist: ein ausgeglichener Mensch. Durch seine zugwandte Art gelingt es ihm seit Mai, Angerufene von einer Teilnahme an der GEDA-Studie zu überzeugen. Seine Erfahrungen im Versicherungsvertrieb kann er dabei nutzen. In seinen jungen Jahren ist er als Selbstständiger klassisch von Haustüre zu Haustüre gezogen: „Eine harte Zeit, die aber viel gebracht hat.“ Im Gepäck hatte er „alle Verkaufstricks“ und sich selbst motivierend das „Gesetz der großen Zahl“ im Hinterkopf: „Wenn ich an 100 Türen klingele, also dranbleibe, gibt es am Abend immer ein Ergebnis.“ Bestimmte Altersvorsorgeprodukte konnte er irgendwann durch Veränderungen der Konditionen nicht mehr mit gutem Gewissen verkaufen. „Ich mag Menschen“, bekennt er: „Zunehmend war mir die Qualität der Kontakte wichtiger. Menschen als Freund zu begegnen, ihnen gut zuzuhören, sich in sie hineinzuversetzen, auf sie einzugehen und fair zu behandeln.“  Bei seiner Arbeit als USUMA-Interviewer, rund 15 Stunden in der Woche, ist ihm daher ein freundlicher Einstieg sehr wichtig: „Ich versuche, jedem Wertschätzung zu zeigen, ihn abzuholen und aufzuwerten.“    

Auch einen ausgeglichenen Menschen wie ihn strengt es an, vier Stunden am Stück für USUMA zu telefonieren oder - auch das macht er - an Geschäftskunden Strom- und Gasverträge zu verkaufen. Ausgleich findet er in der Natur: „Der Wald ist für mich ein Rückzugsort um abzuschalten. Wenn ich mal drei Stunden lang keine Stimmen höre, nur die Stille und vielleicht Vögel, kann ich mich richtig entspannen.“ Zudem ist er seit 20 Jahren ehrenamtlich bei der Freiwilligen Feuerwehr seines Städtchens aktiv. Zuletzt war sein Einsatz an einem späten Abend gefragt. Ein Küchenbrand. „Der Anspruch ist, nach zehn Minuten in der brennenden Küche zu stehen.“ (VMV)   

Barbara Schmidt (74), Interviewerin im Studio. Nicht viele deutsche Rentnerinnen können erzählen, dass sie sechs Jahre lang in Pakistan (Südasien) gelebt haben. Die Münchnerin in Berlin kann es: „Von 2008 bis 2013 war ich in der Deutschen Botschaft für die Administration zuständig.“ Die gelernte Bankkauffrau und spätere Buchhalterin, die lieber Schneiderin und Mode-Journalistin geworden wäre, erzählt mit ihrer sympathisch münchnerischen Stimmfärbung: „Eine sehr spannende Zeit, auch mit vielen Kontakten zu Einheimischen und Reisen ins Innere des Landes.“ Die Amtssprache Englisch beherrschte sie. Und die offizielle Landessprache Urdu? Sie lacht: „Die habe ich nicht wirklich gelernt.“ Die Frage, was sie zurück nach Deutschland brachte, beantwortet sie wieder mit einem Lachen: „Die Rente!“

Seit 2014 lebt sie die Hälfte des Monats in Berlin-Charlottenburg, die andere in München bei ihrer 96-jährigen Mutter. Ihre Tochter (44), die mit Mann und zwei Töchtern in Berlin wohnt und eine Ballettschule führt, bewog sie, in die Hauptstadt zu ziehen. Ihr Mann war 2012 gestorben. Wenn sie andere um ihr Rentnerinnendasein beneiden, denkt sie: „24 Stunden am Tag im Ruhestand zu sein, sind mir zu viel.“ So suchte sie 2018 im Internet nach einer Beschäftigung und landete bei USUMA. Die lange Anfahrt vom West- in den Ostteil Berlins scheut sie nicht, im Gegenteil. Home-Office wäre nichts für sie. „Ich brauche die Bewegung, ich möchte rauskommen, Leute sehen und mit ihnen reden.“ Der Berliner hört und staunt: „Und der ÖPNV ist hier wesentlich besser als in München.“

Anstrengend findet sie die Interviewerinnentätigkeit nicht. „Es ist interessant und trainiert den Geist.“ Stress kann sie gut aushalten „und im Stress auch gut funktionieren. Wenn man drei Kinder großgezogen hat, sollte man das packen“, lacht sie erneut. Außerdem hat sie in Asien „Gelassenheit gegenüber dem Leben“ gelernt. Wenn ihr ein Satz aus der Zeit in Pakistan im Gedächtnis geblieben ist, dann dieser: „No problem, madam!“ (VMV)

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