top of page
Image by Markus Winkler

USUMA-Newsletter 3/2023

Background:
Supervision der Datenerhebung

Der Ausdruck „Supervision“ leitet sich von englisch supervision ab, weiß Wikipedia. Das Verb dazu lautet „supervidieren“. Wörtlich bedeutet Supervision „Über-Blick“ oder auch „Übersicht“. Gebräuchlich ist der Ausdruck insbesondere in der beruflichen Beratung und soll zur „Reflexion eigenen Handelns anregen sowie die Qualität professioneller Arbeit sichern und verbessern“. Genau darum geht es auch beim Führen von Interviews im Rahmen der Markt- und Sozialforschung, also bei Ihrer Tätigkeit als Interviewerin oder Interviewer für USUMA, die letztlich der Erhebung von Daten dient. „Ziel ist es, dafür zu sorgen, dass die Daten in bestmöglicher Qualität erhoben werden“, definiert Ulrike Riedel, bei USUMA mit dem wissenschaftlichen Feldmanagement betraut. Wobei hier ein weiterer, aus anderen Zusammenhängen allgemein bekannter Begriff noch kurz zu erklären wäre, der des Felds. „Das Feld umfasst das Einsammeln, das Erheben der Daten, also der Antworten der Befragten, zur Beantwortung einer wissenschaftlichen Fragestellung“.

 

Genau genommen beginnt die Supervision (oder auch „Monitoring“) der Datenerhebung bereits vor der regulären Feldzeit. „Wir schauen, ob der Fragebogen im Feld funktioniert. Sind die Formulierungen allgemein verständlich, wo gibt es häufig Rückfragen von Befragten oder auch Interviewenden, wo zeigen sich beim Reinhören in einzelne erste Interviews Verständnisschwierigkeiten“, so Ulrike Riedel. Während die Auftraggeber, z.B. das Robert Koch-Institut oder Universitäten, genau wissen, auf welche wissenschaftlichen Fragestellungen sie mittels einer Umfrage Antworten suchen, besteht die Expertise eines Dienstleisters wie USUMA darin, gut einschätzen zu können, mit welchen Formulierungen man die Bevölkerung in ihrer ganzen Bandbreite am besten erreichen kann.

 

Während der Datenerhebung, also innerhalb der Feldzeit, gilt es zum einen, die quantitativen Daten zu supervidieren. Wie viele Interviews schafft ein Interviewer im Durchschnitt (!) pro Stunde (z.B. 0,5), wie viele pro Einsatz, wie viele abgeschlossene Befragungen sind am Tag zuvor gelaufen? Wie hoch ist die Anzahl der vereinbarten Termine, der „weichen“ und „harten“ Verweigerungen gewesen? „Wir wollen gegebenenfalls auch identifizieren, wo es bei einzelnen Interviewenden Verbesserungspotentiale gibt“, so Ulrike Riedel, die tägliche Reports zum Geschehen am Vortag erstellt. Auch die Richtlinien für Schulungen („Projekteinweisungen“, „Testcalls“ für neue Interviewerinnen und Interviewer) hat sie mitentwickelt.

 

Das alles fließt in die tagtägliche Arbeit der qualitativen Supervision mit ein, womit wir ganz praktisch bei Ihrer Arbeit und der der Supervisorinnen und Supervisoren bei USUMA wären. Wie Sie wissen, verfolgen wir in regelmäßigen Abständen Ihre Gespräche und Ihre Ablage der Datensätze: Wir sehen im Wesentlichen das, was Sie auf Ihrem Bildschirm sehen, hören was Sie sagen und was die Angerufenen erwidern, verfolgen, welche Antwortmöglichkeiten Sie auswählen. „Wir wollen sicherstellen, dass die Qualität der Kontaktanbahnungen und der Interviews gemäß den Vorgaben der Auftraggeber passt.“ Bestandteil dieser in der Regel ein- bis eineinhalbstündigen Supervisionen meist einmal im Monat ist, Ihnen unmittelbar danach ein Feedback zu geben, also zu sagen, was gut war und wo wir Verbesserungsmöglichkeiten sehen. Daher sollten Home-Agents grundsätzlich während ihrer Einsätze für uns jederzeit telefonisch erreichbar sein! Die Ergebnisse der Supervision werden in Stichpunkten schriftlich dokumentiert. „Es geht darum, Sie in Ihrer nicht leichten Interview-Arbeit bestmöglich zu unterstützen“, sagt Volker Müller-Veith, seit zwei Jahren Supervisor bei USUMA. „Natürlich haben wir auch ein offenes Ohr für Ihre Probleme und Nöte bei der Arbeit, teilen aber auch gerne positive Erlebnisse mit Ihnen.“

Zur Qualität der erhobenen Daten trägt die so genannte „Standardisierung“ bei. „Alle Befragten sollen die exakt gleichen Informationen erhalten, wie wenn sie den Fragebogen selber lesen würden“, erklärt Ulrike Riedel – auch im Modus der rein auditiven Wahrnehmung am Telefon. Natürlich sprechen in einer telefonischen Befragung zwei Menschen miteinander. Dadurch kommen subjektive zwischenmenschliche Faktoren ins Spiel, z.B. ob mir die andere Person sympathisch ist. Doch dieser „Interviewer-Effekt“ soll möglichst gering gehalten werden. Daher sind persönliche Kommentare der Interviewerinnen und Interviewer verboten. „Wenn zwei Menschen miteinander kommunizieren, passen sie sich aneinander an. Wenn der Interviewer eine gewisse Überzeugung selber zum Ausdruck bringt oder beim anderen durch empathische Zustimmung verstärkt, kann es sein, dass sich das Gegenüber dem anpasst und sich nicht mehr traut, die eigene Meinung auszusprechen“, so Ulrike Riedel. Die Gefahr besteht, durch einen unbedachten Kommentar möglicherweise eine Kränkung und damit einen inneren Rückzug zu provozieren oder eine Aussage positiv zu verstärken und das Antwortverhalten zu verändern. So sozial erwünscht Anteilnahme und persönliche Offenheit in vielen Alltagsgesprächen sind, so kontraproduktiv wirken sie in einer wissenschaftlichen Befragung. Oder anders formuliert: Wenn die gleiche Person noch einmal mit einem anderen Interviewenden den Fragebogen durchgehen würde, sollte das gleiche Ergebnis dabei herauskommen. „Wir wollen Sie mit der Supervision nicht ärgern“, versichert Ulrike Riedel, „aber es geht darum, die Regeln einzuhalten. Ein bisschen sind wir da wie Schiedsrichter.“

bottom of page